Die Frösche, die Prinzen und Ich

Ich bin wieder zurück!

Zu viel habe ich die letzten Monate überlegt, nachgedacht, mir Gedanken gemacht. War unsicher und zu wenig Selbstbewusst, um mit Mut einfach weitere Einträge zu verfassen. Aus meinem Leben, meinem Kopf, meinem Herzen. Statt voller Leichtigkeit zu schreiben, war es mir unangenehm, was andere wohl über mich und meine Worte hier denken könnten. Reden sie hinter meinem Rücken? Denken sie sich „Wen interessiert das alles hier?“ oder machen sie sich lustig? 

Und heute ist der Tag gekommen, an dem mir das egal ist. Zu viel Herz steckte hier im Aufbau meiner eigenen Seite und zu viel Spaß machte es mir, hier einfach drauf los zu schreiben. Wer über mich reden möchte, der kann das tun. Ob mit Blog oder ohne- das ist mir nun egal.

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Aus diesem Grund erwecke ich heute meinen Blog wieder zum Leben, mit einem Thema, das mich Tag für Tag begleitet und ein paar meiner Leser vielleicht auch. Mein Leben als Single-Mädchen. Die vielen Frösche, die irgendwie nie wie in den Märchen zu Prinzen werden. Und von der Zufriedenheit des Alleinseins, die an grauen Tagen aber immer nicht so Standhaft ist, wie man sich das wünscht. 

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Damals, so mit 16, da machte man sich über Männer noch keine Gedanken- oder? Also nicht so wie heute. Man sah sich, fand sich toll, schrieb hin und her und spätestens nach dem 3. Treffen war klar, dass man „Zusammen war“. Da gab es noch kein „Passt er zu mir?“, „Was ist, wenn sein Freundeskreis komisch ist?“, „Oh Gott, er wohnt noch bei seinen Eltern“. Da fand man sich einfach kompromisslos ab der ersten Sekunde einfach gut, so wie man sich kennen lernte. Mit Herzklopfen und weichen Beinen und dem ganzen Drumherum. 

Heute ist das irgendwie anders. Heute bin ich fast 27 und kein Kennenlernen hat noch etwas von dieser Leichtigkeit von Früher.

Meist „stalkt“ man sich schon vor dem ersten Date in Facebook. Findet komische Fotos, baut Vorurteile auf. Statt sich erst einmal zu treffen, bespricht man wichtige Lebensfragen schon über WhatsApp oder Facebook, baut weitere Vorurteile auf- weil das Gegenüber entweder…A) zu viel schreibt B) zu wenig schreibt C) Rechtschreibfehler in den Sätzen hat D) Merkwürdig schreibt E) man in jeden Satz was falsches hinein interpretiert usw. 

Ihr kennt das bestimmt, oder? Das erste Treffen ist schon voll mit lauter Interpretationen, falschen Eindrücken und Vorurteilen. 

Vermutlich ist dieses „Geprägt sein“ und diese übertriebene Vorsicht der Übeltäter für all das ganze abchecken vorher, denkt ihr auch? Warum soll sonst diese Leichtigkeit verschwunden sein? 

Anfang 20 war ich noch naiv. Dachte, man kann nicht verletzt werden. Liebe, so lernte ich, ging doch immer von beiden Seiten aus. Liebe fragt nicht, Liebe zweifelt nicht, Liebe ist einfach da. Heute lache ich darüber. Und sehne mich nach dieser Naivität. Die Realität sah nämlich irgendwann ganz anders aus. Sie prägte auch mich- mich gutgläubigen Menschen, der so voller Leichtigkeit war und nie das böse in Menschen sah. 

Und so verrannte ich mich vor ein paar Jahren, in eine sehr einseitige Liebe, die mich von da an für immer verändern sollte. Die aus dem jungen, naiven Mädchen eine erwachsene, durchdachtere Frau machte. Es war keine schöne Zeit, ich verstand einfach nicht, warum meine Liebe nicht erwidert wurde. So einfach war es doch, zu lieben. Selbstzweifel bauten sich auf, so hoch wie Wolkenkratzer. Überlegte, was auf einmal nicht mehr passte an mir. 

Ausformulieren brauche ich diese unschöne Geschichte nicht, die sich über zwei Jahre zog und die mich alle Menschen mit anderen Augen sehen lies. Ich vergiftete mich selbst mit Wut, Verzweiflung, Enttäuschung und Selbstzweifel. Alleine kam ich aus diesem Dilemma nicht mehr heraus, aus Liebe wurde Ehrgeiz. Immer mit dem Gedanken, dass diese Liebe doch nicht einseitig sein kann. Ich bekam Hilfe, Tipps und viele Stunden, in denen ich mir alles von der Seele reden und verstehen konnte. Meine heile Welt war nämlich zerstört.

Heute, fast 4 Jahre später, habe ich den Sinn verstanden. Den Sinn, warum mir erst so etwas passieren musste, um der Mensch zu sein, der ich heute bin. 

Ich beurteile Menschen nun nach ihrem Charakter, ihrem Herzen, ihrer Ehrlichkeit, ihrer Seele. Ich schaue hinter die Fassade. Und muss mir die Liebe von meinem Gegenüber nicht mehr erzwingen. Kann damit Leben, wenn mich Menschen beim ersten Date schief anschauen, weil ich erzähle, dass ich Wälder über alles Liebe.

Nein, ich muss mich nicht mehr verbiegen. Kann offen und ehrlich zu mir stehen. Und muss mich nicht mehr meinem Gegenüber anpassen, nur um „Liebe“ zu bekommen, um zu gefallen oder endlich eine Beziehung zu haben, wie all die anderen um mich herum.

Die Frau, die mir aus meinem Albtraum half, ist mein größtes Vorbild geworden. Sie bezeichnete mich immer als den Menschen, der ein Esel sei. Und auf dem Esel saßen Männer, die mich mit einer Karotte an der Angel zum laufen brachten. Schließlich wollte ich ja die Karotte (Sinnbildlich die Liebe) erreichen. Doch konnte ich diese Karotte nie erreichen, schließlich wählte ich immer jene Männer, die mich schön mit der Angel und der Karotte zum laufen brachten, jedoch immer mit Sicherheitsabstand und Unerreichbar. Versteht ihr dieses Beispiel? Es öffnete mir die Augen. 

Heute weiß ich, ich möchte kein Esel mehr sein, der Karotten an der Angel nachjagt. Ich werde hellhörig bei solchen Spielchen, und ja- vielleicht bin ich mittlerweile ZU misstrauisch. Aber ich selbst habe mir diese Schutzmauer jahrelang selbst erbaut und nun liegt es an mir, sie wieder abzubauen. So etwas braucht einfach Zeit. 

Ich habe aufgehört, die Frösche zu jagen, die nur äußerlich nach Prinzen aussehen und innerlich die hässlichsten Kröten aller Zeiten sind. Kein Mann der Welt hat das Recht, eine Frau zu verletzen oder sie blöd zu behandeln, nur weil sie nicht seinen Vorstellungen entspricht. Eine Frau sollte mit Respekt behandelt werden. 

Die meiste Zeit bin ich zufrieden mit meinem Leben alleine. Ich habe diese Zeit genutzt um viel an mir zu arbeiten, mich besser kennen zu lernen und mir das Leben aufzubauen, das ich mir für mich immer gewünscht habe. Viele Freunde heiraten, das macht mir ein bisschen Angst. Angst, selbst nie auch mal an der Reihe zu sein. Und an grauen Tagen verfalle ich wieder in meine alten Selbstzweifel. Überlege, was an mir verkehrt ist. Doch dann schlage ich meine alten Notizen auf, in denen ich notiert habe, was mich als Menschen einzigartig macht. Und dann weiß ich wieder, dass an mir nichts verkehrt ist. Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Tief im inneren bin ich mir sicher, dass für uns alle, die noch kein passendes Gegenstück gefunden haben, da außen in der großen Welt irgendein toller Mensch herumläuft, der genau auf uns wartet. 

Weil unsere Geduld irgendwann ausbezahlt wird. Hoffentlich! 

In diesem Sinne- lasst euch nicht entmutigen oder von der Gesellschaft unter Druck setzen. Alles braucht seine Zeit.

Alles Liebe,

eure Tatjana 

 

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6 Gedanken zu “Die Frösche, die Prinzen und Ich

  1. Liebe Nana:)
    Das war ein wunderschöner Blog! Du sprichst vielen Frauen aus der Seele und wirkst dabei wahnsinnig sympathisch. Du hättest nie irgendwelche selbstzweifel haben müssen. Genieße dein Leben weiterhin so wie du es dir wünscht. Irgendwann kommt ein Mann, der dich verzaubert 🙂
    Viele liebe Grüße, Tina

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  2. Sehr schön geschrieben Tatjana 🙂
    Mir ging es ähnlich – habe mir jahrelang eine Schutzmauer aufgebaut, wollte nie jemanden treffen, habe mich an den kleinsten Dingen gestört (z.B. das/dass Rechtschreibfehler) und jahrelang an einer Liebe festgehalten, bei der ich wusste, dass nicht mehr daraus wird.
    Gute Miene gemacht, wenn Freundinnen von heiraten und Kinder kriegen gesprochen haben, während ich mich schon allein mit 2 Katzen gesehen habe. Jetzt habe ich seit Kurzem und nach über 5 Jahren endlich wieder jemanden gefunden, der 1 Jahr lang eigentlich direkt vor meiner Nase war (tatsächlich im Büro vor mir) und bei dem ich anfangs immer Ausreden gefunden hatte, weshalb er nicht „der Richtige“ ist. Und jetzt geht plötzlich alles total schnell und ich hole meine Freundinnen regelrecht auf (teilweise verfallen die jetzt sogar in eine subtile Panik;-) )
    Ich habe nie wirklich an den Satz „irgendwann kommt der richtige schon“ geglaubt, aber es ist wohl doch irgendwas Wahres dran – solange man dem Ganzen auch eine Chance gibt.

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    1. Liebe Steffi, ich muss gerade echt grinsen über deinen Text, weil ich mich total darin wieder erkenne. Nur dass ich tatsächlich mit 2 Katzen Zuhause sitze und mich auch an das/dass Rechtschreibfehlern aufhänge 😀 Schön, dass man da nicht alleine ist mit seinem Vogel im Kopf! Dass du deine große Liebe gefunden hast, das freut mich sehr und so wie du schreibst, hast du dir das mehr als verdient!!! Wir lachen auch immer im Freundeskreis, alle reden über Kinder und Heiraten und dann machen wir immer Witze, dass ich am Ende noch die Erste sein werde. Aber ich glaube da wirklich nicht mal zu 1% daran 😀 Dein Text macht mir allerdings Mut. Manchmal sollte man echt seine hohen Ansprüche herunterschrauben und Menschen, die man kennt, mit einem anderen Blick betrachten. Oft stecken da ganz wundervolle Menschen dahinter. Ich drücke dir ganz fest die Daumen und wünsche dir weiterhin alles Glück der Welt. Genieße es :* Alles Liebe, deine Tatjana

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  3. Liebe Nana,

    ich kenne das derzeit sehr gut! Manchmal hält man an Dingen fest, die einem eigentlich schaden, aber man selbst merkt es leider nicht. Das ist diese rosarote Brille, die einen hoffen lässt, diese Liebe bleibt für immer oder ist echt. Leider gibt es viele hässliche Menschen da draußen, die andere bloß ausnutzen oder verletzen. Und halt den Esel mit der Karotte locken und füttern. Aber das sollte man sich als Frau oder auch als Mann (nicht nur Männer sind so schlimm) nicht gefallen lassen. Und es ist wirklich schwieriger geworden den/die Richtige zu finden. Und auch deine ´Zeit wird kommen, in dem du den Richtigen begegnest. Es passiert ja oft, wenn man nicht damit rechnet (wobei ich selbst nicht weiß, ob ich daran glauben soll…) Ich wünsche dir alles Liebe!

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    1. Liebe Lisbeth, ich danke dir für deine lieben und ehrlichen Worte. Es ist immer schön, zu merken, dass man mit seinen Gedanken nicht alleine ist. Ich drücke dich und wünsche dir natürlich genauso alles Glück der Welt- unsere Prinzen rennen da außen sicher auch irgendwo herum und zweifeln an der Liebe 🙂 Hoffentlich finden sie uns irgendwann noch :)) Alles Liebe, deine Tatjana

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